Wie ist es so da auf dem Land?

Das werden wir immer wieder gefragt. Oder, habt ihr viel Schnee da oben, dabei sind wir hier nicht höher gelegen wie die Wohnorte der Fragenden. Es kommt einem nur so vor wegen des steilen Aufstiegs vom Enztal her. Seit fünf Jahren leben wir nun hier im Dorf. Ungefähr 200 Menschen, jede Menge Viehzeug, keine öffentlichen Verkehrsmittel, kein Laden, kein Garnichts. Ein Briefkasten, schmale Waldenserstraßen, alte Häuser, Neubauten. Kein Durchgangsverkehr, viel Ruhe, viel Arbeit.

Wie ist es so auf dem Land? Wir hatten Glück, nette Nachbarn, schon während der Renovierungsphase fühlten wir uns gut aufgehoben. Geholfen haben sicher die Tiere. Wer hier mit Pferd und Ziege einzieht hat Verständnis für Traktorgeratter am Sonntag und Bohrmaschinen nachts um zehn. Hier legt man keinen Wert auf Städter die auf Mittagsruhen pochen und sich über Hühnergackern und Rasenmäher aufregen.
Es ist laut auf dem Land und auch keine Idylle wie in Landlust, Landliebe und ähnlichen Magazinen dargestellt. Es wird gearbeitet, ohne feste Arbeitszeiten sondern wenn die Natur es vorgibt. Ist Ernte fährt man bis in die Nacht. Die wenigsten Menschen hier haben Zeit für Dekos im Garten. Es ist eher eine Gerümpelidylle die sich von selbst einstellt. Und die Hängematte unter den Bäumen bleibt meist leer weil niemand Zeit hat darin zu liegen. Dafür kann der Gang zum örtlichen Briefkasten, der bei uns am Hause hängt, schon mal eine Stunde dauern weil man Leute trifft und tratscht. Hier werden Infos ausgetauscht, auch mal Naturalien oder gelästert, das kommt auch mal vor.

Nett war die Geschichte wie eine neue Bekannte sich über Zugezogene aufregte, „Die kommen her und meinen sie wohnen in so einer Siedlung mit Briefmarkenrasen und heiliger Ruhe. Regen sich auf wenn man samstags was schafft und wenn am Sonntag der Mähdrescher fährt. Sollen die doch bleiben wo sie herkommen …“ Dann schaute sie mich entsetzt an, „oh je, aber ihr seid net so, euch hab ich net gemeint!“ Da waren wir gerade ein halbes Jahr im Dorf. Ich komme auch vom Land. Wobei mein ehemaliges Dorf im Gegensatz zu hier eine Großstadt war. Nur mein Gatte, der aus Karlsruhe stammt hatte so seine Eingewöhnungsprobleme mit den ländlichen Gepflogenheiten. So ganz versteht er heute noch nicht was man den jetzt hier so macht und was nicht. Was ihm aber auffiel, wir waren hier nach einem halben Jahr schon mit mehr Menschen per du wie er in 10 Jahren in seinem Wohnblock. Er ist erstaunt wie man sich hier hilft. Man geht zum Nachbarn und fragt. Wird man gefragt, hilft man selber mit wenn Not am Mann oder der Frau ist. So etwas hätte er in der Stadt nie getan.

Es ist schön in unserem Flecken. Wir haben das Gefühl dazu zu gehören, einen Platz gefunden zu haben. Es kommt vor, dass mein Auto eine Woche lang nicht bewegt wird. Mit etwas Organisation geht alles. Wir hoffen, dass es so bleibt … und dass keine Städter in die Nachbarschaft ziehen die sich über unsere Hähne beschweren.

Bocktipp: Such dir den Wohnort wie er zu dir passt, andersrum wirds schwierig ….

Leberwurst am Birnbaum

Nikolaus fiel an diesem Tag auf einen Sonntag. Ein wenig länger schlafen war angesagt. Mindestens bis Viertel vor Acht. Tatsächlich war die Nacht ruhig, keine Ausbruchsversuche, Schnecken im Elektrozaun oder tobsüchtige Katzen im Flur.

Der Gatte schälte sich zuerst aus dem Bett und stapfte mit dem Hund hinunter um die Pferde zu versorgen. Sonntags lasse ich ihm gerne mal den Vortritt.

Nach kurzer Zeit hektisches Bellen vom Hof herauf. Ach ja, der Hofhund hat mal wieder eine fremde Katze in seinem heiligen Revier entdeckt. Das Bellen wurde immer lauter, es schien als würde der Hund unterm Birnbaum kreisen. Inzwischen hatte ich mich auch in die Stallklamotten geworfen und marschierte Richtung Stall. Vor der Scheune kreiste der Hund tatsächlich um den Baum. Sein Herrchen rumorte im Pferdeauslauf herum und nahm keine Notiz von der ganzen Aufregung. Ich mit noch sehr trübem Blick konnte auch nicht verstehen worüber der Hund sich so aufregte. Aber dann, mit zunehmend wacherem Gesichtsfeld entdeckte ich die Ursache. Ein Beutel hing im Baum, fast in Augenhöhe, darin deutlich sichtbar ein Apfel und eine Leberwurst! Der Nikolaus war gekommen und hatte den Hund beschert und keiner der doofen Menschen holte die Köstlichkeit aus dem Geäst, kein Wunder war der Hund am Rande des Wahnsinns.

Beim Angeln nach Wurst und Apfel erspähte ich auch noch zwei sackleinene Beutel die an der Schuppenwand baumelten. Auch für uns war der Nikolaus da!

So gab es zum Frühstück frische Clementinen, Schockoherzen und natürlich Leberwurst. Dem Nikolaus sei gedankt! Kam der, oder besser sie, doch gleich aus der Nachbarschaft um uns zu überraschen.

 

Bocktipp: Stell dich mit deinem Umfeld gut, dann gibt es Schokolade und Leberwurst statt der Rut!

Mäuse im Glück

Fast drei Tage war ich fern der Alm. Jahresvollversammlung der BücherFrauen auf der Comburg bei Schwäbisch Hall. Das bedeutete drei Tage davor Stress mit den ganzen Vorbereitungen. Ist für alle Tiere genügend Futter da. Reicht das Heu, sind die Vertretungen organisiert? Musste doch der Gatte an diesem Wochenende auf Dienstreise und fiel deshalb als Almhüter aus. Spät am Sonntag kam ich müde mit klitzekleinen Augen zurück. Anscheinend so leise, dass es unser Wachhund fast verpennte. Der Neffe im Wohnzimmer vorm Fernsehen. Ganz entspannt. Alles gefüttert, Hühner und Enten eingesperrt. Hund gelüftet, alles paletti. Noch ein kurzer Kontrollblick in den Stall, alles sah gut aus.
Kontrollblick in den Kühlschrank, da sah es weniger gut aus. Kaffee sei alle, hatte ich dem Gatten auf einen Zettel geschrieben. Kaffee hatte er eingekauft, sonst nix. OK, ich bin zu dick, gibt es neuerdings eine Kaffee-Diät?

Am nächsten Morgen immer noch reichlich platt ab in den Stall. Die Hühner ins Freie entlassen, den Hund hinterher. Die Blechdose fürs Hühnerfutter geschnappt und was sehe ich da, die Tonne war offen, kein Deckel drauf. So ein Mist, denke ich noch, da können Mäuse rein. Die Blechdose ins Getreide getaucht und hochgehoben. Panik, die Dose lebt, eine kleine Maus stürmt aus der Dose über meine Hand auf den Ärmel. Adrenalinstoß! Die Dose fällt zu Boden, ich schüttle den Arm, die Maus fällt hinterher und verschwindet unterm Türspalt. War ich bis dahin trotz zweier Tassen Kaffee noch nicht wach, ab der Mäuseminute war ich es. Noch zwei weitere graue Wuseltiere entdeckte ich in der Tonne. Die konnten kaum noch rennen, überfressen, eindeutig!

Bocktipp: Fasse nie ins Ungewisse!

Der Hofhund und das Autofahren

Der Hofhund hatte leider einen schwachen Magen was das Autofahren anging. Schon als wir ihn abholten demonstrierte er das indem er sich von seinem Essen trennte. Für ihn war von da an klar, in so ein Blechding steige ich nicht mehr.
Wir übten, mit leckerem stinkenden Pansen im Kofferraum sollte er gelockt werden. Langsame Gewöhnung, das Auto musste mit in den Hof und war sicher hinter Elektrozaun verwahrt. Sehr zur Verwunderung der Nachbarschaft. Pansen half nicht. Die Ziegenkumpels durften mit auf die Ladefläche des Kombis. Sie stachen mir fast die Augen aus beim begeisterten Herumhüpfen. Der Hund fands immer noch ätzend. Wir packten ihn hinein und saßen zur Gewöhnung ein Buch lesend im Auto. Manchmal durfte der Motor laufen. Die Nachbarn fanden uns immer merkwürdiger. Der Hund auch.
Täglich fuhr ich mit dem widerspenstigen Hund zum nahen See. Auch das erhöhte die Freude an der Fahrerei nicht. War die Strecke zu lang, landete das Futter auf den Polstern. Endlich hielt er auch eine längere Strecke durch. Wir brachen zum Stadttraining in die große Stadt auf. Hund hielt dicht, Jubel!
Zu früh gefreut, nicht im Auto landete der Segen, dafür dann vor dem Cafe in der Fußgängerzone.
Es wurde die Tierärztin befragt. Ingwertabletten kamen in den Hund und er wurde so festgeschnallt, dass er sich nicht mehr hinlegen und leiden konnte. Der Hund hasste uns. Aber dann, welch eine Erkenntnis, Augen auf den Verkehr rausschauen und wups, dem Hund wurde nicht mehr schlecht!
Das nächste Stadttraining fand in Nürnberg statt, ohne besondere Vorkommnise trotz 200 km Fahrt, doppelter Jubel.

Bocktipp: Weitblick kann förderlich sein

Kleine Notiz am Rande

Immer noch sitzen wir gerne auf unserer Bank unterm Apfelbaum und beobachten wer den da so den Berg herauf kommt. Nicht, dass hier der Verkehr brandet. Es ist überschaubar. Nett sind immer wieder die Menschen die anhalten um sich die Tiere anzusehen.
Wochenlang sahen wir immer wieder ein Ehepaar mit Fahrrädern. Er sportlich auf dem Rennrad, sie mit weniger sportlichem Tourenrad, dafür deutlich langsamer und deutlich mehr am Keuchen. Gelangweilt wartete der männliche Fahrer bei unserem Ziegengehege bis die Partnerin heranschnaufte. Ich konnte mitfühlen, sowas ist ätzend.
Der Winter kam, die Radfahrer verschwanden. Im nächsten Frühjahr, ich war beim Misten, sah ich wie die Dame des Gespanns bei den Ziegen stand und lächelnd in Richtung Sportradler blickte, der schwitzend den Berg herauf radelte. „Siehste, so ist es mir sonst immer gegangen!“ triumphierte sie. Ein Pedelec war des Rätsels Lösung!

Bocktipp: Wer zuletzt lacht …

Was ist ein Hof ohne Hühner

Fragten wir uns. Die Eierversorgung durch die Enten verlief sehr unregelmässig und im Winter gabs gar keine. Also sollten Hühner her. Kleine Hühner sollten es sein und möglichst welche die nicht fliegen. Seidenhühner, das wars. Mit ihrem lustigen Aussehen würden die gut zu uns passen. Fliegen können sie auch nicht, nur etwas flattern. Perfekt!
Tagelang durchforstete ich Kleinanzeigen bis ich endlich fündig wurde. Zwei Hennen und ein Hahn in weiß wurden angeboten. Ein kleiner Mailwechsel und dann am ersten Mai die Nachricht. Hühner sind noch da, gehen aber am nächsten Tag auf den Geflügelmarkt. Wieder war mal Aktion angesagt. Hundekiste ins Auto und los. Logo, noch kein Hühnerstall fertig, wäre ja Luxus. Es folgte die wundersame Vermehrung. Plötzlich waren es drei Hennen und ein Hahn und dann kamen noch ein Hahn und eine Henne zum Vorschein. Mit sechs Hühnern kamen wir wieder nach Hause. Fünf weiße Hühner und ein braun geschecktes. Flugs wurde der Entenstall unterteilt und ein Hühnerwohnheim eingebaut. Der Hofhund war fassungslos als er die kleinen flauschigen Bälle unterm Nussbaum scharren sah. Seit dem gibts eine neue Attraktion auf dem Hof – und eigene Eier.

Bocktipp: Manchmal darf es doch ein wenig mehr sein

Seidenhühner

Seidenhühner

Gastenten

Aufmerksame Leser werden sich noch an die Ankunft unserer Minischafe erinnern. Die Minischafe die zu Gast waren wurden zu Dauerbewohnern und bescherten uns schafigen Nachwuchs. Vom gleichen Besitzer kamen in diesem Sommer drei Smaragdenten um ein paar Wochen zu bleiben. Sie zogen mit eigenem Häuschen in ein Gehege mit Geflügelelektrozaun in. Die fliegen nicht hatte man uns versichert. Während die brütende Hilti und der ausgesperrte Albert die Neuankömmlinge misstrauisch beäugten und beschimpften nahmen die drei Gäste ihre neue Heimat in Augenschein.
Bereist am Abend mussten wir entdecken. Der Erpel war ausserhalb und marschierte über die Wiese! Fuchsgefahr! Schnell wieder hinein mit dem Kerl. Am nächsten Morgen nach der Nacht im Häuschen waren alle Enten da. Wir versorgten die Pferde. Plötzliche ein enormes Geschrei auf der Wiese. Schnell hinunter und was mussten wir sehen, im Gehege nur noch 2 Enten. Von Nummer 3 keine Spur. Aber auch keine Federn, keine Kampfspuren, kein Blut. Wie hatte der Fuchs das geschafft und dazu so dreist direkt in unserer Nähe. Große Betroffenheit. Ein zerknirschter Anruf bei den Besitzern, schöner Mist.
Die verbleibenden Entendamen wurden mitsamt Haus und Zaun nach oben in den Hof verfrachtet. Stunden später, wieder Geschrei. Ein Blick aus dem Fenster. Da marschierte eine Ente frei im Hof herum. Der Gatte entdeckte eine Stelle im Entenzaun durch die die Ente vielleicht passte. Also abgedichtet. Ente wieder rein. Ruhe im Stall.
Der nächste Morgen nahte. Die Enten durften aus dem Haus. Erpel Albert marschierte als Wache ums Gehege. Ich beim misten bei den Pferden und wieder heftiges Geschrei. Diesmal war die flüchtige Ente ausserhalb des eingezäunten Hofes auf dem Parkplatz. Panik! Schnell raus und die Dame wieder Richtung Hof gescheucht. Die hatte dann aber offensichtlich genug von dem Spektakel, hob ab flog über den Stall, drehte eine Runde über den Ort und wart nicht mehr gesehen … Ja, unserer Enten fliegen nicht. So klärte sich auch wohin der Erpel entschwunden war, diesmal war der Rotrock unschuldig.
Damit Entendame Nummer 2 nicht so alleine war durfte sie Albert Gesellschaft leisten. Der war ausquartiert weil Hilti ihn nicht in der Nähe der Küken duldete. Albert und Samantha wie wir die grüne Ente nannten bildeten ein nettes Paar. Der große graue Erpel wurde von der kleinen Ente wie von einem Schatten verfolgt.
Tage später an einem schönen sonnigen Morgen sah ich wie Samantha abhob. Sie flog über den Zaun und verschwand überm Nachbarhaus. Damit war die letze flugunfähige Ente verschwunden.
Nachmittags klingelte das Telefon. Eine Nachbarin hatte die flüchtige Entendame unter ihrem Tannenbaum entdeckt. So begann ein nettes neues Spiel. Samantha flog von dannen, landete irgendwo in der Nachbarschaft und watschelte dann mit mir zusammen wieder nach Hause. Keine Ahnung wieso sie nur weg aber nicht zurück fliegen konnte.
Einmal fand ich sie schon auf halber Strecke ins Nachbardorf. Mitten auf der Straße traten wir den Rückweg an. Gut, dass es hier wirklich ruhig ist. …
Am folgenden Wochenende traf der Entenbesitzer ein und wir erhielten eine Leerstunde in Schwungfedern stutzen. So blieb Samantha am Boden.

 

Bocktipp: Nicht nur RedBull verleiht Flügel

Kleine Enten, oder nur die Hälfte kommt durch

Wir wollten eine zweite Entendame haben. Eine größere Gruppe sieht netter aus und im Todesfall steht keiner alleine da. Immer noch hatten wir den Rotrock im Hinterkopf. So beschloßen wir (wir, eigentlich ich, der Gatte durfte dann noch nicken), dass Hilti brüten sollte. Die legte auch eifrig, plazierte die Eier in dem Mörtelkübel den wir für sie als Nest vorbereitet hatten. Leider war ihre Geduld wenn es um das Sitzen ging nicht ganz so groß. Lieber ging sie Schnecken suchen oder Baden. Über 20 Eier lagen schließlich im Nest. So viele Küken wollte ich dann doch nicht haben. Sechs Küken das wäre genug. Laß die doppelte Menge Eier drin empfahl der Gatte. Die kommen doch nicht alle durch, so steht es im Internet! Gut, also ein Dutzend Eier um sechs Entchen zu bekommen.
Nachdem Hilti dann doch noch Gefallen am Brüten fand hörte ich eines Abends ein zartes Piepsen aus dem Nest. Fünf kleine Schnäbel lugten unter der Mama hervor. Hurra, wir hatten Küken! Am nächsten Morgen lieferte ich den Kückenbrei und erstarrte. Hilti hatte sich erhoben und unter ihr ein Ameisenhaufen von Küken. Von wegen die Hälfte kommt nur durch! Wir hatten einen Volltreffer gelandet. Ein bunter Haufen Küken, die sich in nur 8 Wochen zu einem bunten Haufen Enten entwickelten. Abnehmer fanden sich auch. So blieb bei uns nur die Erna inzwischen lauter und größer wie die Frau Mama.

Bocktipp: traue nie dem Internet

Küken

Enten statt Ziegen

Da wir hier auf der Alm im ständigen Kampf mit der Spezies der Nacktschnecken lagen, egal ob wegen nächtlicher Ruhestörung oder wegen Frass im Hochbeet, es musste etwas unternommen werden. So zogen Laufenten ein. Schnatternd und ziemlich verschreckt nahmen Albert und Agathe Hof und mit Wasser gefüllte Sandmuschel in Besitz. Die Beiden waren anfangs so schüchtern, dass sie sich auf einen Radius von vier m beschränkten. Das Wasserbecken war allerdings klasse. Drei Tage lang wohnten die Beiden darin, nur zum Fressen ging man raus.
Den Schnecken ging es an den Kragen, zuerst ums Hochbeet herum, der Salat gedieh, die Schneckenpopulation schrumpfte. Dann durften die Watschler auch auf die Wiese, eine Paradies, Schnecken so weit das Entenauge reichte. Schnell eroberten die Laufis das ganze Areal. Sie wurden nicht nur zum Schrecken der Enten, nein, auch der Hund musste leiden. Albert fühlt sich leider als Super-Albert und Hundeschreck. Nur die große Geduld vom Hofhund hat ihn bisher vom schnellen Tod im Hundemaul bewahrt.
Leider war der Fuchs nicht so geduldig. Ein halbes Jahr nach ihrem Einzug fiel ihm die arme Agathe auf der Wiese zum Opfer. Seit dem haben wir ein etwas angespanntes Verhältnis zum Rotrock.
Der arme Albert trauerte, er ließ sogar den Hund in Ruhe und rannte nur schnatternd im Hof herum. Eine neue Ente musste her. Freigang auf der Wiese war gestrichen, Enten nur noch im Hof. Fuchs, du stiehlst hier nicht mehr!
Leider war es die falsche Jahreszeit. Kaum mehr Enten auf dem Markt. Dann „Hurra“ nur wenige Kilometer entfernt doch noch eine junge Entendame. Ich los mit der großen Hundekiste und die Ente abgeholt. Schön wildfarben war die Dame und erhielt den Namen Arabella. Sie war auch unerschrocken und fürchtete sich weder vor uns noch vor dem anderen Getier. Enorm war auch das Wachstum. Ein wenig irritiert war ich wegen dem hellen Ring der so langsam am Hals sichtbar wurde … Die Dame hatte uns noch eine zweite Entenfrau versprochen aus der nächsten Brut. Als die zur Abgabe bereit waren wanderte wieder die Kiste ins Auto. Viel zarter, viel schüchterner war die Kleine. Die beiden Großen verhielten sich abweisend, die Kleine musste abgetrennt werden und fand das zum Fürchten. Was mich schwer irritierte, sie hatte eine ganz andere Stimme als Arabella. Langsam keimte der Verdacht, Arabella war gar keine Dame. Ich rief die Züchterin an. Die beteuerte, dass das gar nicht sein kann. Arabella marschierte an mir vorbei. Ich hielt ihr das Handy an den Schnabel, prompt protestierte sie laut. „War das eine Ente oder ein Erpel?“ fragte ich. „Ein Erpel,“ kam die Antwort. „Eben“, entgegnete ich. So war Arabella ein Arabello. In den folgenden Wochen legte er das braune damenhafte Gefieder ab und mauserte zum wildfarbenen Erpel. Da er leider zusammen mit Albert die kleine Entendame ständig bedrängte musste er schließlich zurück …
Unsere kleine Ente blühte alleine mit Albert auf. Sie stürmte mit ihm unter unserer Aufsicht auf die Wiese. Im Gras ließ sie sich auf den Bauch fallen und bohrte mit durchdringendem Schlagbohrgeräusch den Schnabel zwischen die Halme. So bekam sie ihren Namen, Hilti.

Bocktipp: Manches entpuppt sich anders als man denkt

Laufenten

Ziegenquartier mit 4 Sternen

Nachdem nun die Schafe ja auch ein Schlechtwetterquartier brauchten und die Ziegen ohnehin in ihrem alten Stall eine Wand demoliert hatten griffen wir wieder einmal zu Bohrer, Säge um die Herrschaften erneut umzuquartieren.
Bei strömendem Regen, Matsch überall und Juni-Temperaturen wie im Dezember nahm das Projekt Ziegenvilla Gestalt an. Es gibt einen Scheunenanbau der einmal als Ferienwohnung genutzt wurde. Dieser grenzt an den Ziegenauslauf. Durchs Fenster konnte man prima die Hornherren beobachten. Dieses ehemalige Ferienzimmer sollte zur Ziegenbox werden. Zweigeteilt um die Klopperei bei der Essensausgabe zu verhindern (naja, hätte mir ja denken können, dass das nicht klappt …) Wir bauten die Box ein, mit Holzrahmen am Boden und einem Podest damit die Zicklein auch den Sprung aus dem Fenster schaffen. Draußen regnete es … Wir montierten die Gitterelemente damit die Zicklein auch bleiben wo sie sollen. Draußen regnete es … Wir nahmen die Vorhänge ab damit die Zicklein damit keinen Unfug treiben. Draußen begann es zu schütten … Wir nahmen die Fenster heraus weil Glas in der Nähe von Ziegen gar keine gute Idee ist. Draußen schüttete es immer noch … Wir gingen nach draußen … Hier gab es dann ein weiteres Podest. Gebaut aus einer nicht mehr gebrauchten Gemüseauslage vom örtlichen Supermarkt. Es schüttete immer noch. Das Podest bekam alte Gartenplatten als Unterlage um nicht im Schlamm zu versinken. Wir waren reichlich nass! Über die Straßen liefen die Wassermassen und ich beglückwünschte uns zu der Entscheidung auf den Berg zu ziehen! Allerdings fiel mitten im Bohren der Strom aus … Gerüchte meldeten, dass unten im Ort das Trafohäuschen brennt weil dort schon ein großer Teil vom Dorf überflutet ist … Gut, wir wohnen auf dem Berg! Es hörte auf zu regnen. Die Ziegen wurden in den Auslauf geholt und wir stellten uns in den Anbau um sie zur rufen. Neugierig wie Ziegen nun mal sind entdeckten sie die neue Öffnung schnell und weihten den Fenstereingang mit Begeisterung ein. Wir waren glücklich. Die Ziegen können nun im Auslauf bleiben und selbsttätig ins Trockene gehen. Juhu, endlich muss man nicht mehr bei jedem Regen Zicklein zum Stall bringen. Erschöpft und dreckig wurde die restliche Stallarbeit von uns erledigt und wir verschwanden endlich ins Haus um die regenschweren Klamotten gegen trockene zu tauschen. Spät am Abend gab es dann noch einen Kontrollgang. Draußen nieselte es bereits wieder. Im Schein der Taschenlampe tappten wir in den Anbau. Leider funktioniert die noble alte Wohnzimmerlampe dort ja nicht. Was mussten wir sehen? Weit und breit kein Horntier. Auf unser Rufen antwortet nur schwaches, jämmerliches Meckern. Eine Nase erschien in der Fensteröffnung, aber kein Zicklein sprang herein. Böses ahnend matschten wir um den Stall herum zum Auslauf. Dort sahen wir die Bescherung. Das Podest war von den Platten gesprungen (na, ich denke eher man hat es geschoben!) und war im weichen Boden versunken. Aus dem Podest war eine Bodenplatte geworden. Wir mühten uns ab die Beine wieder aus dem Dreck zu bekommen. Die Böcke wollten natürlich helfen. Leider war der Ansatz dazu auf die Holzplatte zu stehen um uns so trockener Klaue anzufeuern keine gute Idee. Diskussionen halfen nicht, die Herren sprangen wie wir sie verscheuchten wieder aufs versunkene Podest. Also mussten sie wieder in den alten Stall. Wir mühten uns weiterhin mit der versunkenen Absprunghilfe ab. Endlich kamen die Beine mit einem eklig schmatzenden Geräusch wieder aus dem Boden. Inzwischen waren wir zu Schlammonstern mutiert und traten murrend den Rückzug an.
Sonntag wurde die Plattform dann mittels Erdanker provisorisch verankert. Die Böcke durften zurück und das erste Mahl im neuen Stall wurde serviert. Leider entschlossen sich die Herren lieber doch in ein Abteil der neuen Box zu gehen. Leider konnte man aber nicht zusammen fressen. Leider wurde sich gewaltig gekloppt. Ich hatte schon wieder Stehhaare! Wie kann man nur so doof sein. Endlich verschwand der Schwarze durchs Fenster wieder ins Freie um dann zurück zu kehren und mit sehnsüchtigem Blick in den Stall und auf die Heuration durchs Fenster zu schauen. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis er erkannte, dass es eine Lösung für das Problem gibt. Man konnte sehen wie anstrengend Denken doch ist! Endlich sprang er in sein eigenes Abteil und konnte frühstücken!
Hurra!

Bocktipp: Schlammschlachten lohnen nicht.